062 956 50 60
info@raz-stiftung.ch
Oberholzweg 14 · 3360 Herzogenbuchsee

Bericht aus der Werkstatt.

Stefan Seiler und Kevin Bolliger erzählen von ihrer Zusammenarbeit in der Werkstatt, von sich selbst und von Schwenkhebeln.

15. März 2020
Wie beginnt ein typischer Arbeitstag? Wie sehen die typischen Arbeiten aus?

Kevin: Ich komme morgens in die Werkstatt, starte alle Maschinen und richte sie ein, damit unsere Mitarbeiter dann ohne Probleme die Maschinen bedienen können. Dann gehe ich stündlich vorbei und kontrolliere, ob die gefertigten Teile so stimmen, frage, wie es den Mitarbeitern geht. Ich achte darauf, dass die Maschinen laufen, aber auch, dass die Mitarbeiter sich wohlfühlen.

Stefan: Ich komme um 7:30 Uhr auf die Arbeit und gehe an die Maschine. Da produziere ich momentan Teile für Gilgen Doors. Ich lege das Rohmaterial in die Maschine, zentriere es. Wenn die Maschine anhält, drehe ich das Teil und starte die Maschine wieder. Um 12 Uhr essen wir zu Mittag und dann arbeite ich nochmal von 13:00 bis 16:45 Uhr. Dann ist Feierabend.

Gab es ein besonders grosses Projekt, besondere Momente im Jahr 2018?

Stefan: Wir haben sehr viele Schwenkhebel für Heiniger gefertigt. Das waren auch meine absoluten Lieblingsteile!

Kevin: Ja, davon haben wir ca. 8,000– 10,000 Teile gefertigt. Wir produzieren hier schon seit mehreren Jahren diese Schwenkhebel für Schafscherköpfe. Ich denke, die meisten Scherköpfe in Neuseeland hat Stefan schon in den Fingern gehalten.

Weshalb haben Sie sich für diese Arbeit entschieden?

Kevin: Zum einen bin ich gelernter Poliermechaniker und zum anderen hat mich die Arbeit mit Menschen schon immer interessiert. In meinem Familien- kreis habe ich auch die Erfahrung gemacht, sich um jemanden zu kümmern. Ich wollte für die Menschen da sein, die mich brauchen, mit Menschen zusammenarbeiten, etwas Zwischenmenschliches, Soziales machen und nicht nur Maschinen bedienen. Das ist das, was mir eigentlich gefällt. Ja, und so bin ich zum RAZ gekommen.

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?

Stefan: Die Abwechslung. Das brauche ich einfach zwischendurch und dass ich da eingesetzt werde, wo ich gut bin. Ich arbeite hier schon 17 Jahre und es geht gut.

„Ich wollte für die Menschen da sein, die mich brauchen, mit Menschen zusammenarbeiten, etwas Zwischenmenschliches, Soziales machen und nicht nur Maschinen bedienen.“

Kevin Bollinger
Was nicht?

Stefan: Wenn etwas nicht geht oder nicht klappt, dann werde ich rumpusurig. Dann geh ich zum Kevin und der hilft dann weiter.

Kevin: Ja, dann muss man die Dinge meistens einfach Schritt für Schritt machen und nicht auf einmal. Dann klappt’s.

Gibt es dafür ein Beispiel?

Kevin: Stefan hat Probleme mit der Feinmotorik. Ich musste lernen, was ich machen muss für ihn, damit er die Arbeit versteht. Da arbeite ich zum Beispiel mit Fotos. Wir setzen uns kleine Ziele und gehen diese Schritt für Schritt an.

Stefan: Ja, manches geht gut, manches nicht. Das ist zum Teil auch tagesformabhängig.

Wie würden Sie sich gegenseitig beschreiben?

Stefan: Wir können gut zusammenarbeiten, er ist freundlich, er ist lieb und er geht gut mit mir um. Wenn ein Problem ist, gehe ich eben schnell zu Kevin, er ist auf jeden Fall sofort da.

Kevin: Stefan ist schon manchmal ein Schlitzohr. Das Arbeiten mit ihm ist wirklich gut. Er ist sehr zuverlässig, er fragt, wenn Fragen auftauchen – das ist sehr wichtig! Denn wenn die Leute eine Eigendynamik entwickeln, ist das sehr gefährlich, weil sie dann selbst versuchen Sachen zu klären, die sie nicht können. Von daher ist es sehr schön, mit Stefan zu arbeiten. Und rein menschlich, als Person, ist er sehr humorvoll. Wir lachen viel miteinander und machen ab und zu Witze. Ich denke, wir haben eine gute Zeit zusammen, oder?

Stefan: Ja, das geht gut zusammen.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Stefan: Rösti und Bratwurst – Aber da muss man schon ein bisschen aufs Gewicht aufpassen (lacht).

Kevin: Fondue und Raclette, damit kann man nichts falsch machen.